Ich war gestern Abend das erste Mal in meinem Leben in einem Restaurant mit zwei Sternen essen. Es war ein besonderer Abend für einen besonderen Anlass.  Es handelte sich um ein Restaurant von Tim Raue. Die Einrichtung ist asiatisch-minimalistisch.  Es sind nur wenige Tische. Die großen Fenster waren aufgrund der Hitze geöffnet und man hatte fast den Eindruck, auf der Straße zu sitzen. So konnte ich dem Treiben auf der Rudi-Dutschke-Straße zusehen. Bei 34 Grad war der Hauptkonsum von uns Wasser. Wir verbrauchten zu zweit drei Flaschen.  Das ist, angesichts der natürlich recht hohen Weinpreise eine günstige Alternative. Trotzdem probierte ich ein Glas von einem eigens für Tim Raue produzierten Rotwein aus der Pfalz. Unterschlagen möchte ich auch nicht den wundervollen Begrüßungscocktail, der eine süße Alternative zum Rieslingsekt meiner Begleitung darstellte.

Wir entschieden uns Beide für die Minimalvariante eines 4-Gänge Menüs. Ich will mich nicht in Einzelheiten zu den jeweiligen Gängen verlieren.  Es gab ein paar wundervolle Überraschungen, die man nicht aus der Karte herauslesen konnte. Jeder Gang ist für sich ein kleines Kunstwerk. Die Bedienung war ausgesprochen freundlich und versiert. So konnte sie auf Nachfrage nicht nur die genaue Herstellung einer vorab gereichten Knabberköstlichkeit sagen, sondern auch gleich, wie sie bei welcher Temperatur im Ofen hergestellt wurde. Das ich in einem Restaurant vorher gefragt werde, ob ich bestimmte Sachen nicht vertrage, würde ich mir auch sehr gern häufiger wünschen.  Angesichts des kleine Raumes war es angenehm ruhig, nicht wie beispielsweise das Borchardt´s von dem ich aus verschiedenen Gründenenttäuscht war. Die Foodblogger werden entsetzt sein, dass ich keinerlei Fotos vom Essen oder der Einrichtung geschossen habe. Ich hätte es als inadäquat empfunden. Alles in allem waren wir sehr zufrieden und sehr satt, trotz der vier statt sechs Gängen. Insgesamt waren am Ende knapp 300 Euro auf der Rechnung. Ob es sich lohnt, so viel Geld für Essen auszugeben, muss jeder für sich entscheiden.

Mir ist durchaus bewusst, dass sich das sehr viele Menschen nicht leisten können. Auch mein Budget sieht solche Eskapaden nicht für jede Woche vor. So sah ich während des Essens einem Mann auf der gegenüberliegenden Straßenseite, wie er sich bückte und eine halb gerauchte Zigarette aufhob. Als er sie sich in den Mund steckte, lächelte er zufrieden. Eine schöne Erinnerung daran, dass es nicht unbedingt viel kosten muss, jemanden glücklich zu machen. Ich kann mir vorstellen, wieder zu einem besonderen Anlass in ein solches Restaurant zu gehen. Allerdings werde ich darauf achten, vorher eine ähnliche Summe Stück für Stück an Menschen verteilt zu haben, die es sich nicht leisten können.

Related posts: