Das erste Mal war ich kurz nach der Wende in Zinnowitz. Der Ort wirkte noch ein wenig wie in einem Dornröschenschlaf. Unsere Unterkunft war eine Ferienwohnung nahe der Bahngleise, über deren altmodische DDR- Einrichtung wir uns amüsierten. Sie war klein aber das störte uns nicht. Zweisamkeit die gewollt ist, kommt auch auf kleinem Platz liebevoll miteinander aus. Der Strand faszinierte mich. Er war, wenn man einige Schritte Richtung Penemünde ging, von einer unberührt wirkenden Wildheit, die ich bis dahinnicht  von der deutschen Küste  kannte. Er war menschenleer und die gefühlte Weite war grandios.

Der Strand ist immer noch sehr schön, wenn auch kultivierter. Das Baltic Hotel nach wie vor ragt hoch über den Strand wie ein Fels vergangener Zeiten. Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben von einer tiefenentspannten jungen Strandkorbverleiherin einen Strandkorb gemietet. Er ist Ausgangsbasis für wilde Fußballmatches kleiner Erdenbürger gegen Große. Aus der Zweisamkeit von damals sind 16 Personen geworden.  Sechs Erwachsene und ein Rudel Kinder. Die kleine Ferienwohnung ist dem Familienzimmer im Casa Familia gewichen. Das Wasser ist eiskalt. Einige Mutige stürzen sich bereits hinein. Ich kann noch warten, auch wenn ich das Gefühl von Salzwasser auf der Haut vermisse. die Füße müssen erst einmal reichen.

Der Ort gibt sich sehr viel Mühe, Kaiserbad zu sein, auch wenn er es nicht sein kann. In schicken Boutiquen wird Markenmode angepriesen. Es finden sich auch Labels aus dem nicht so fernen Berlin. Auf einem großen Platz vor dem denkmalgeschützten und langsam verfallenden Kulturhaus zeigen Künstler, was sie mit dem Material Holz anstellen können. Liebevoll bearbeitet ein älterer Mann den jungen Holzbusen seiner Statue mit einer Feile. Auf dem nahen Markt findet sich zur Freude aller Skurilitätenliebhaber ein Wahrsagerzelt.  Dank Himmelfahrt ist es voll. Bunte kurze karierte Stoffhosen mit großflächig bestickten Poloshirts dominieren die örtliche Männermode. Abends kehrt Ruhe am Strand ein. Vereinzelt wird in den Sonnenuntergang geangelt und nur wenige schlendern den schmalen Pfad zwischen Meer und trockenem Sand entlang. Im Ort findet eine Stimmungskanone mit Liedern und Herrenwitzen vergangener Jahrhunderte unter den angetrunkenen Herrentagsfeierfreunden ein dankbares Publikum. Das schrille Lachen einer Frau dringt selbst bis zur Tauchglocke an der Spitze der Seebrücke vor. Es bleibt nur ein geordneter Rückzug. Langsam wird es frisch und der Wind fegt kühl vom Wasser her herüber.

Für den Abend reicht ein kleiner, mit ehemals grünem Filz bespannter Tisch im Keller des Hotels, um die Herzen der männlichen Freunde höher schlagen zu lassen. Das Klacken der Kugeln ist lässt die Stimmungskanone am Strand vergessen. so findet jeder seine kleine Welt, in der er sich wohl fühlt.

Update: Es gibt in der WordPress-Version einen derzeitigen Bug zum Anzeigen der Bilder in der Galerie. Ich schaue nach einer Lösung.

Update2: Auf die Galeriefunktion verzichtet. Jetzt sind die Bilder klickbar.

Strandkorb   Zinnowitz  Möwe  Tauchglocke

Fernglas  Angler  Wahrsager  Schwimmerin

Related posts: