sxsw Die SXSW in Austin ist eine der interessantesten Veranstaltungen für Menschen, die sich mit Netzthemen auseinandersetzen. Warum das so ist, haben andere schon recht gut erläutert, z. B. hier oder hier. Es gibt neben dem Interaktive-Part dort noch eine ganze Menge zu sehen, was auch Musik oder Filmenthusiasten lockt. Ich beschränke mich aber erst mal auf den interaktiven Part. In Deutschland ist etwas vergleichbares derzeit nicht in Sicht. Auch die leweb in Paris ist gegen die SXSW so etwas wie der kleine Bruder. Leider ist ein besuch bei der SXSW nicht billig, weshalb sich die meisten Chefs in Deutschland dagegen sträuben dürften, einen solchen Trip in die USA zu bezahlen.
Ich habe deshalb im letzten Jahr beschlossen, auf eigene Kosten zur SXSW zu reisen. In diesem Artikel will ich etwas näher auf die Kosten eingehen, mit denen man rechnen muss, wenn man sich dazu entschließt, die SXSW auf eigene Faust zu besuchen.
Die Preise sind in diesem Jahr stabil geblieben. Wer sich nur für den Interaktive-Part interessiert, benötigt ein Interaktive-Ticket. Das kostet in der ersten Phase des Verkaufs 850 $ bis hin zu 1295 $ für Kurzentschlossene (ein Platinum-Badge für das gesamte Angebot als Early bird 1345 $). Das ist auch der Preis, den ich letztes Jahr für das Ticket gezahlt habe. Man kann natürlich als Medienschaffende rauch versuchen, als Journalist akkreditiert zu werden. Allerdings ist sind die Hürden dafür höher als bei einer 0815-Messe in Deutschland.
Generell gilt, den Trip möglichst frühzeitig zu planen. Ich hatte im letzten Jahr meine Reisevorbereitungen bis zum September abgeschlossen. Also gut sechs Monate vor Beginn. Das sicherte mir zum einen das erwähnte early bird Ticket für 850$. Zum anderen hatte ich Gelegenheit, eine günstige Unterkunft zu finden. Ich hatte das Glück, ein Studentenapartment in Austin für 50 Euro pro Nacht bei AirBnB zu erhalten. Das war ein Schnäppchen und man sollte schon mind. 70 $ pro Nacht selbst bei AirBnB einplanen. Hotels sind sich der SXSW und dem Ansturm bewusst und ziehen in der Zeit ihre Preise hoch. Die Situation lässt sich gut mit München während des Oktoberfests vergleichen. Die einzelnen Themen werden teils zeitversetzt behandelt, aber der interaktive Part dauert in diesem Jahr fünf Tage. Man benötigt also fünf Übernachtungen, wenn man alles mitnehmen will.
Für einen Flug von Berlin nach Houston hab ich 600 Euro bezahlt. Auch ihn habe ich recht frühzeitig gebucht. Nach Austin selbst gibt es soweit mir bekannt keine Direktflüge. Man fliegt entweder nach Houston oder Dallas und reist von dort an. Ich entschied mich für Houston, weil ich mir noch ein wenig etwas von Texas ansehen wollte und Houston dabei ein Hauptziel von mir war. Die Fahrt von Houston nach Austin habe ich per Mietwagen zurückgelegt. Es gibt die üblichen Verdächtigen Anbieter zur Auswahl mit ebensolchen Kategorien. Da ich den Mietwagen für insgesamt zehn Tage gemietet hatte, war der Preis höher als nur für die SXSW notwendig. In Austin selbst nutzte mir der Mietwagen relativ wenig. Ich bin meist gelaufen oder auch mal mit dem Bus gefahren, da es nicht gerade von Parkplätzen bei den Locations wimmelt. Das hängt aber natürlich auch davon ab, wo man eine Unterkunft findet.
Weitere Kosten, die auf einen zukommen: Bei der SXSW ist nicht, wie sonst auf Konferenzen meist üblich, eine Verpflegung dabei. Man muss sich also während der Konferenzzeit mit Essen und Trinken weitgehend selbst versorgen, Drinks auf den obligatorischen Partys ausgenommen. In den Locations selbst gibt es meist überteuertes Fast Food etc., wie eine fetttriefende Pizza zu kaufen. Das Angebot für Vegetarier ist dünn, was allerdings auch für das gesamte restliche Texas gilt. Es rechnet sich, sich vorher im Supermarkt seines Vertrauens mit Getränken und schnell Konsumierbarem einzudecken. Ich habe den Tag mit einer Schale Müsli gestartet und damit immer recht lange durchgehalten. Da es eine unglaubliche Menge an spannenden Vorträgen gibt, wollte ich auch nicht zu viel Zeit für eine Mittagspause in einem Restaurant außerhalb verschwenden. Ortswechsel zwischen den teils recht weit auseinander liegenden Locations (es gibt Busse für den Transfer) nehmen schon recht viel Zeit in Anspruch. Außerdem musste man bei einigen sehr beliebten Sessions schon deutlich früher da sein, um einen Platz zu erhalten. Mir fehlte oft schlichtweg die Zeit, vernünftig zu essen und mich mit Schokoriegeln und etwas Obst am Leben erhalten. Ich habe pro Tag deshalb nicht mehr als 15 $ für das Essen ausgegeben. Wer lediglich vom Flughafen nach Austin und zurück will, kann sich mit anderen für eine Fahrgemeinschaft zusammen tun. Es gibt eine Facebook-Gruppe der deutschen SXSW-Besucher, wo man sich nach potentiellen Mitfahrern erkundigen kann.
Man ist also ohne den Transfer von und zum Flughafen bei rund 1700 Euro mit einfachem Komfort und keinen kulinarischen Höhepunkten. Hinzu kommt meist auch noch ein Besuch in einem Outlet und ein paar Mitbringsel. Bedenken sollte man auch, dass es nicht nur Zeit sondern auch Urlaubstage kostet. Der Vorteil, wenn man nicht im Auftrag eines Unternehmens da ist, ist dass man sich anhören kann, was einen interessiert und sich nicht auf bestimmte, für das unternehmen Themen fokussieren muss.
Ich habe mich entschlossen, am Anfang und Ende der SXSW noch ein paar Tage Urlaub anzuhängen, um mir Texas etwas näher anzusehen. Houston bietet beispielsweise normalerweise zeitgleich das größte Rodeo der Welt oder auch das Kennedy Space Center. Motels findet man schon akzeptabel saubere ohne viel Luxus ab rund 70 $ unterwegs. für Innenstadtlagen wird es gleich etwas teurer.
Fazit: Hat es sich gelohnt, eigenes Geld für den Besuch auszugeben? Ein klares Ja. Es gibt einfach sehr viel Spannendes zu entdecken und ich habe einige interessante Leute getroffen, die ich bei Konferenzen in Deutschland nicht zu Gesicht bekommen, geschweige denn sprechen könnte.
Wer weitere Fragen hat, kann sich gern in den Kommentaren an mich wenden oder mir unter admin(at)weltenweiser.de eine Mail schreiben.

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