In letzter Zeit wurde einiges zur sinkenden Markenreichweite auf Facebook geschrieben. Es wurde sich beschert (z. B. von der Nestlé-Chefin) und es wurde sich dem von mir geschätzten Thomas Knüwer darüber lustig gemacht, dass sich darüber beschwert wird.
Ich gebe Thomas Knüwer völlig recht, wenn er meint, es sei absehbar gewesen, dass die Markenreichweite bei Facebook sinkt. Wenn etwas gut monetarisierbar ist und ein angefixter Kunde vorhanden, wäre es verwunderlich, wenn ein Unternehmen nicht marktwirtschaftlich handeln würde.
Das erinnert so ein wenig an den angefixten Heroinkäufer, der sich wundert, dass der Folgeschuss nicht mehr kostenfrei ist.
Die Begründung, dass man die Markensichtweite senken muss, um dem Nutzer relevante Ergebnisse zuzuspielen, ist natürlich insoweit fadenscheinig, als dass ich mich ja wieder in dessen Stream einkaufen kann, genügend Budget vorausgesetzt.
Mich interessiert aber noch mehr, ob die Entwicklung von weniger Markenpräsenz für den Nutzer wirklich vorteilhaft ist. Gern wird allgemein gesagt, der Nutzer ist ohnehin nur auf Facebook, um mit seinen Freunden zu interagieren und Werbung dort wird als störend empfunden.
Nun hat der Nutzer aber, damit die Inhalte der Unternehmensseiten in seinem Stream auftauchen, gern auch mal ein „Gefällt mir“ auf der entsprechenden Unternehmensseite geklickt. Jetzt ist die Frage, warum er das getan hat. Hat er es tatsächlich nur getan, um an einem Gewinnspiel teilzunehmen und interessieren ihn die restlichen Inhalte der Seite nicht, ist es gut, wenn die Inhalte nicht in seinem Stream auftauchen. Es gibt aber genügend Unternehmen, die sich auch ohne Gewinnspiele einer sehr hohen Beliebtheit erfreuen. Dabei hat jeder Nutzer seine eigenen persönlichen „Lovebrands“. Diese tauchen aber zunehmend nicht mehr im Stream des Nutzers auf.
Großartigen Content erstellen als Lösung?
Was in meinem Stream über Freunde auftaucht, sind derzeit dann die virtuell gewordenen Contentkings, wie das „supergeile“ Edeka oder tanzende Babys im Spiderman-Anzug.
Das Problem dabei ist doch aber folgendes: Das ist alles schön und lustig, nur sind dies Produkte, die mich nicht interessieren. Ich würde gern wissen, wann der Kleinkunstdarsteller aus meiner alten Wohngegend wieder was Neues macht oder Razer eine neue Maus auf den Markt wirft. Die kleinen und mittelständischen Seiten werden aber nicht mehr zu mir durchkommen, da dort meist das Werbebudget fehlen dürfte. Wenn was an Budget da ist, wird es in eine große Kampagne fließen. Aber die kleinen neuen Sachen bekomme ich nicht mehr mit. Langfristig kriegen wir auf Facebook deshalb meiner Ansicht nach so etwas wie Fernsehwerbung. Die großen Unternehmen können es sich noch leisten, die Kleinen nicht mehr. Vielleicht werden die Inhalte ein bisschen lustiger, damit es virtuell wird. Dafür meist mit Abstrichen bei der Produktinformation. Aber diese lustigen Filmchen hab ich auch vorher alle schon über alle möglichen Kanäle zugespielt bekommen.
Das Problem, dass es zu viele Inhalte für den einzelnen Nutzer auf Facebook gibt (welche ständig weiter wachsen), ist mit einer Einschränkung der Markensichtbarkeit auch nicht gelöst, sondern bestenfalls verzögert worden.
Andererseits hat Facebook jede Menge monitäre und intellektuelle Ressourcen, sodass sie vielleicht eine geniale Lösung für dieses scheinbar ausweglose Problem finden.
Nur ist es nicht die Beschränkung der Markensichtbarkeit.

Related posts: