MausIch gebe es zu. Ich habe meine Meinung für ein Pflichtfach Informatik um 180 Grad gedreht. Bis vor kurzem erschien es mir mit Blick auf die Zukunft sinnvoll, dass es ein Pflichtfach Informatik gibt und die Kinder eine Programmiersprache lernen sollten, ähnlich wie Englisch oder Französisch. Letztens wurde die Notwendigkeit für ein Pflichtfach Informatik auch damit begründet, dass die Menschen in Zukunft ihre Umwelt nicht mehr verstehen würden. Ich mag den gerade verlinkten Artikel, bezweifele aber, dass die Menschen bereits derzeit ihre Umwelt verstehen. Einfach mal den freundlichen Nachbarn oder sich selbst fragen, wie genau denn nun das ABS-System am Auto funktioniert, wie eine Kreditkarte hergestellt wird oder wofür die Vitamine E und K im Körper wichtig sind. Von der Frage abgesehen, was man für den Informatikunterricht aus dem derzeitigen Pflichtprogramm der Schüler entsorgt, gibt es ja ohnehin die interessante Vision, dass die Informationen in naher Zukunft ohnehin alle im Netz zu finden sind und man sich stattdessen mehr darauf konzentrieren müsste, das Auffinden und selbstständige Lernen zu fördern. Doch ich schweife ab.

Was mich zur Meinungsänderung getrieben hat ist eine gute Portion Pessimismus gemischt mit einer Retrospektive und einem Löffel Realität. In meiner Schulzeit wurde bereits das Fach Informatik angeboten. Ich war mit einigen wenigen Interessierten an dem Thema eigentlich Hauptzielgruppe des Faches. Dummerweise hat es dann keiner von uns freiwillig belegt. Die Gründe waren einfach. Die Computer waren, wie wir wussten, hoffnungslos veraltet und die Programmiersprache, die gelehrt wurde, ähnlich tot wie altgriechisch. Nun kann man immer sagen, man lernt das Prinzip zu verstehen. So wie Latein einem helfen soll, die Grammatik zu verstehen. Nur, hatten wir als Schüler schlichtweg keine Lust auf veraltetes Zeug. Aktuell sieht die Situation bei meinen beiden Kindern in der Grundschule übrigens so aus. Es gibt seit der 2. Klasse einen Computerkurs, wo die Bedienung und erste Präsentationen erlernt werden. Jeweils zu zweit vor einem Computer. Klingt nicht überragend, aber jetzt kommt der entscheidende Nachteil. Der Kurs wird von einem externen Anbieter in der Schule angeboten und kostet um die 200 Euro für ein gesamtes Schuljahr. Damit, so muss man es klar sagen, sind Kinder wieder mal draußen, deren Eltern nur knappe Geldressourcen besitzen.
Andererseits habe ich gerade bei Freunden erlebt, dass in der 4. Klasse von den Schülern erwartet wurde, ein Referat als Powerpoint-Präsentation zu halten (da zeigt sich dann, welche Eltern im Marketing oder als Berater unterwegs sind). Jetzt kommen wir zu meinen Bedenken. Ich habe erhebliche Zweifel, dass für das Bildungssystem genügend Mittel bereitgestellt werden, um qualifizierte Ausrüstung und Fachkräfte einzustellen und diese auch aktuell zu halten. Derzeit bricht an den mir bekannten Schulen unter der Lehrerschaft mit wenigen Ausnahmen fast Panik aus, wenn man ihnen ein Whiteboard in die Klasse hängen will.
Schaue ich auf Berlin als meinen Wohnsitz sehe ich da auch für die Zukunft keine großen finanziellen Spielräume. In Zeiten, wo teils darum gestritten wird, ob die Schüler ihr eigenes Toilettenpapier mitbringen sollen, wird es wohl kaum ein iPad für jeden Schüler geben.
Kommt das Pflichtfach Informatik also und die Pflicht, eine Programmiersprache zu erlernen, wird es wohl mit ähnlich knappen Ressourcen ausgestattet sein, wie der derzeitige Schulbetrieb sie nur allzu gut kennt. Ich befürchte, man wird wieder einmal versuchen, einen Teil der Kosten auf die Eltern abzuwälzen, wie man es gerade beim Schulessen getan hat, wo der Anteil der Eltern an den Kosten prozentual mal um locker 20 % erhöht und der des Senats um 20% runtergefahren wurde.
Jetzt kann man natürlich ankommen und versprechen, Dass es in Zukunft mehr Ressourcen für die Bildung geben wird. Kommt einem irgendwie bekannt vor, oder?
Vielleicht sehe ich das ja auch einfach nur zu pessimistisch, aber irgendwie glaube ich eher, dass die wirklich an dem Thema interessierten Schüler auch in Zukunft das tun werden, was sie bereits jetzt tun. Es einfach sich selbst mit Hilfe des Netzes beibringen.

In den Kommentaren würde ich gern vom Gegenteil überzeugt werden.

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