Auslaufmodell Taxi via tpsdave @Pixabay

Auslaufmodell Taxi via tpsdave @Pixabay

Für viele Menschen ist ein selbstfahrendes Auto auf unseren Straßen noch so weit entfernt, wie ein Flug in den Weltraum. Dabei ist jetzt bereits ein Teil der A9 als Teststrecke für selbstfahrende vom Verkehrsminister auserkoren worden. Die Vorteile offenbaren sich jedem, der sich schon durch quälend zähen Berufsverkehr oder auf einer Autobahn bei Stau und schlechter Sicht in den Urlaub gekämpft hat. Dabei hat zwischen traditionellen Autoherstellern und neuen Playern wie google ein Wettrennen eingesetzt, was dem Ganzen massiv Geschwindigkeit verleiht. Was bedeutet diese Entwicklung eigentlich für Branchen abseits der Autoindustrie? Nehmen wir den zuerst den klassischen Taxifahrer. Man muss sich ernsthaft die Frage stellen, ob dieser Beruf in zehn Jahren noch existiert. Wenn eine Flotte selbstfahrender Autos mich auch an einen gewünschten Ort bringen kann, warum sollte ich das Risiko eines Taxifahrers eingehen. Wer sich wundert, welche Risiken ich meine, kann einen Blick auf die Prüfkriterien des TÜV-Süd für die Verlängerung von Taxischeinen werfen.

Dort werden z. B. aufgeführt:

• Belastbarkeit

• Orientierungsleistung

• Konzentrationsleistung

• Aufmerksamkeitsleistung

• Reaktionsfähigkeit

In welchem der oben genannten Punkte sollte in ausgereiftes autonomes Fahrzeug einem Taxifahrer ernsthaft unterlegen sein? Von der Sehfähigkeit und schweren Krankheiten ganz zu schweigen. Es mag sein, dass einige menschliche Fahrer durch exzellenten Service oder die Steuerung von Oldtimern als kleine Nische wirtschaftlich überleben. Die Masse wohl eher nicht. Gleichzeitig lohnt sich die Frage, inwieweit ein eigenes Auto zumindest dann noch Sinn macht, wenn ich, da die Personalkosten wegfallen, Taxifahrten deutlich billiger anbieten kann. Carsharing-Dienste könnten zudem auf die Gruppe all derer zurückgreifen, die sie bisher mangels eigenen Führerscheins oder verloren gegangen Vertrauens in die eigenen Fahrkünste (z. B. alte Menschen) bisher nicht erreichen können.

Was tun die Menschen dann eigentlich?

Seltsamerweise habe ich bisher recht wenig gelesen, was die Menschen dann tun werden, wenn sie nicht mehr selbst Auto fahren. Ein angenehmer Punkt sei zwischendurch erwähnt: Nervige, mit fiesen Jingles ausgestattete, den eigenen Musikgenuss unterbrechende, Staumeldungen in Radios werden unnötig. Zurück zum Thema. Gern wird davon ausgegangen, dass die Zeit für Arbeit genutzt wird. Diese Erfahrung mag aus Beobachtungen aus Taxis stammen. Ich bezweifele allerdings, dass der Durchschnittsbürger seine Arbeitszeit gern in die Autofahrt verlängern wird. An diesem Punkt kommen dann Entertainment-Ideen ins Spiel. Einen Film anzusehen mag auf der Autobahn bei gerader Strecke ein Vergnügen sein. In der Stadt ist es dies nur sehr bedingt. Ebenso wie beim Lesen erzeugt es schnell ein Gefühl des Unwohlseins. Dieses Gefühl durch ideale Sitze auszugleichen, wäre eine weitere technische Herausforderung.

Warum nicht essen?

Wenn man bei längeren Zugfahrten oder Autofahrten mit Kindern etwas lernt, dann, dass Reisen anscheinend bei vielen Menschen den Appetit anregt. Wäre ich ein Start-up-Freak, würde ich ganz schnell ein kleines Unternehmen gründen, welches sich darauf spezialisiert, selbstfahrende Autos mit Essenautomaten auszurüsten. Mobile Payment macht die Abrechnung einfach. Es ist im Auto Strom vorhanden, um vom Heißgetränk bis zum warmen Gericht Snackmöglichkeiten bereitzustellen. Man kann da auf Erfahrungen aus der Flugzeugküche ebenso zurückgreifen, wie auf die Automaten, die die Bahnhöfe zieren. Ein Vorteil ist, dass man nicht alles durch eine Glasscheibe anglotzen können muss, sondern ein Display die kleine aber feine Auswahl bereithält. Vielleicht ordert man das Fahrzeug sogar danach, was es für ein Essen an Bord hat? Oder schickt man es gar vorher beim Lieblingsrestaurant vorbei, um das Essen einzusammeln? Mobile Payment lässt sich natürlich auch perfekt für andere Entertainments an Bord einsetzen. Oder die Fahrzeuganbieter kooperieren mit Netflix, Spotify etc. und man kann sich mit dem eigenen Account einloggen. Dass ein Google-Auto Google Music und mehr mit an Bord hat, ist eigentlich ein Nobrainer. Welches Restaurant wäre aber derzeit außer Fast Food Drive Inns in der Lage, ein Auto (ohne Fahrer) zu bedienen? Selbst ein Drive In-Schalter würde einen geübten Werfer durch das selbstöffnende Fenster voraussetzen, was bei einem Kaffee schnell zum Desaster werden würde. Eine weitere Frage: Wenn die Autos elektrisch fahren, werden dann neben den Akkus auch die Entertainment-Möglichkeiten aufgeladen? Warum keine Snacks nachfüllen, während der Akku neu geladen wird? Das klappt natürlich nur, wenn die Autos nicht, wie in einem schönen Konzept in Malmö von mir gesehen, während der Fahrt durch im Asphalt versenkte Spulen aufgeladen werden. Wird es für Menschen, die nicht gern alleine fahren, einen Service geben, der sich, vielleicht je nach Interesse nur teilweise von heutigen sogenannten Escortservices unterscheidet?

Sicherlich wird man, wie bereits jetzt bei Flugzeugen möglich, schauen, wann welcher Freund oder Freundin, wie fahren möchte und sich gemeinsam einbuchen können, sei es auch nur für einen Teil der Strecke.

Jetzt bin ich gespannt, auf Eure Gedanken, wie autonome Autos die Zukunft für Branchen verändern.

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