Von Krautkritik und der Schwierigkeit, selbst was zu wuppen

Die Aufregung um Krautreporter hat sich noch nicht gelegt und ich hab lange überlegt, ob ich was dazu sagen soll. Zu den Kritikern gehören von mir geschätzte Personen. Da überlegt man immer zweimal, ob man mit seiner Meinung wirklich richtig liegt. Was für mich persönlich ein absolutes No Go ist, ist Kritik, die sich an Äußerlichkeiten von Journalisten aufbaut. Mir ist schon klar, dass das kleine Wort „adipös“ wahrscheinlich mehr aus Häme denn aus echter Kritik gegenüber der Redaktion geäußert wurde. Vielleicht kann mir jemand erklären, was die Körperform mit der Fähigkeit, guten Journalismus zu produzieren, zu tun hat? Wahrscheinlich nicht. Wollen wir wirklich, dass sich Journalisten wie Modells präsentieren? Erste Ansätze dazu gibt es schon. Vielleicht bin ich da aber auch deshalb schlichtweg empfindlich, weil ich in anderen Bereichen bereits eine Tendenz dazu sehe, z. B. bei in den Medien live übertragenen Gerichtsprozessen, wo dem Äußeren der Handelnden eine immer stärkere Aufmerksamkeit entgegengebracht wird, die nicht der Gerechtigkeitsfindung dient. (mehr …)

Internetproteste gegen Boko Haram

Gestern konnte man in den Tagesthemen einen Bericht über Gräueltaten der Terrororganisation Boko Haram sehen. Im Laufe des Beitrags gab es dann eine Kollektion von Internetprotesten gegen die Entführung von 267 (die Zahlen variieren je nach Quelle) Mädchen aus einer Mädchenschule. Mit dabei auch Prominente aus Deutschland wie Westernhagen und Joko und Claas, die für den guten Zweck in die Kamera lächeln und ein Schild mit der Bitte um Freilassung der Mädchen hochhalten. Das ist sicherlich gut gemeint. Es zeigt allerdings geradezu erschreckend die Hilflosigkeit der Menschen, denen das Schicksal der Mädchen nahe geht. Die Boko Haram – Ideologie sieht jede Form der Interaktion mit der westlichen Welt als Sünde an. Deshalb werden die fleißigen und gut gemeinten Bilder wahrscheinlich nicht einmal gesehen werden. Von einer Wirkung ganz zu schweigen. Wer bereit ist, wehrlose Menschen niederzumetzeln wird sich wohl nicht davon beindrucken lassen, dass sich Leute mit Bilderbotschafte zu Wort melden. Deshalb dürfte die einzige Funktion dieser Botschaften sein, dass sich die Menschen danach selbst besser fühlen. Mit etwas Glück sehen sie die Angehörigen der entführten Mädchen und fühlen sich ein wenig in ihrem verzweifelten Kampf ermutigt. Das wäre schön. Allerdings hat die Nachricht der entführten Mädchen bereits drei Wochen gebraucht, um überhaupt ins Blickfeld der Öffentlichkeit zu gelangen. Die wenigsten werden wohl ihre Zeit auf Twitter etc. verbringen. So erinnert das Ganze ein wenig an das, was Sascha Lobo beim Start der re:publica bezüglich der Netzpolitik anmerkte. Wie wenig ein Tweet bewegt. Der Norden Nigerias ist arm. Es herrscht hohe Arbeitslosigkeit. Boku Haram hat nicht solchen Zulauf dort, weil die Menschen alle glücklich sind. Ich hätte mir bei dem Tagesthemen-Bericht einen Hinweis gewünscht, was man tun könnte, um […]

Wie es bei uns um die lokale Bildungspolitik bestellt ist.

Man hat sich bei uns in meinem Berliner Bezirk gedacht, sparen wäre gut. Das finde ich erst mal nicht verkehrt. Deshalb hat man ein Rathaus verkauft. Die dort bisher untergebrachten Institutionen wie das Vermessungsamt sollen in ein anderes Rathaus weichen. Dort ist natürlich kein Platz. Deshalb kam man auf die Idee, die Bibliothek aus dem Rathaus in ein nahes Hortgebäude der Schule meiner Kinder zu verpflanzen. Okay, die Räume wurden gerade erst vor fünf Jahren teuer für den Hortbetrieb umgebaut. Man hat auch eine Förderung erhalten, weil man versprach, die Bibliothek auszubauen und das Hortgebäude ist kleiner als die alte Bibliothek, weshalb wohl die Erwachsenbibliothek bei dem Umzug drauf geht. Macht nichts, man kann das ja Mal so beschließen. Damit man sich nicht mit möglichen Problemen belastet, macht man das natürlich, ohne die Betroffenen wie die Schulleitung oder die Elternvertretung vorher zu fragen. Hätte man das getan, hätte man nämlich unangenehme Dinge erfahren. Wie zum Beispiel, dass in einem der beiden Hortgebäude bereits eine Klasse untergebracht werden musste, weil in der Schule bereits akuter Raummangel herrscht. Oder das der Hort derzeit bereits überbelegt ist und man keine Ahnung hat, was man mit den 70 Kindern machen soll, die der Bibliothek weichen sollen, die natürlich auch nicht umziehen mag. (mehr …)

Die schwerste Rede meines Lebens

Eigentlich halte ich gerne Reden oder Vorträge. Ich mag die Interaktion mit dem Publikum und es macht mir Freude, die passenden Formulierungen für eine Rede zu finden. Ich kann mich eigentlich nicht erinnern, mich vor einer öffentlichen Ansprache gegruselt zu haben. Vielleicht mal in der Grundschule, aber das ist lange her. In der Oberschule habe ich einmal eine Rede gehalten, die nicht gewertet wurde. Es war eine selbst geschriebene Rede eines fiktiven Politikers, die viele Sätze aber keinerlei Aussage enthielt. Ich habe lange an den Formulierungen gefeilt, die keinerlei wirklichen Sinn ergaben, nur Worthülsen waren. Ich wurde von der Lehrerin dazu verdonnert, eine zweite Rede zu schreiben, obwohl meine wahrscheinlich die mit Abstand aufwendigste Rede vom Erstellprozess bis hin zum Halten gewesen war. Die zweite Rede war dann ein Pamphlet über eine Fast-Food-Kette komplett in Reimform, die sie erstaunlicherweise anerkannte. Jetzt habe ich eine Rede gehalten, vor der ich mich gefürchtet habe. (mehr …)

Warum sinkende Markenreichweite bei Facebook für den Nutzer nicht so toll ist.

In letzter Zeit wurde einiges zur sinkenden Markenreichweite auf Facebook geschrieben. Es wurde sich beschert (z. B. von der Nestlé-Chefin) und es wurde sich dem von mir geschätzten Thomas Knüwer darüber lustig gemacht, dass sich darüber beschwert wird. Ich gebe Thomas Knüwer völlig recht, wenn er meint, es sei absehbar gewesen, dass die Markenreichweite bei Facebook sinkt. Wenn etwas gut monetarisierbar ist und ein angefixter Kunde vorhanden, wäre es verwunderlich, wenn ein Unternehmen nicht marktwirtschaftlich handeln würde. Das erinnert so ein wenig an den angefixten Heroinkäufer, der sich wundert, dass der Folgeschuss nicht mehr kostenfrei ist. (mehr …)

Cleveres Recruitment von Springer

Im Kampf um die Talente müssen sich heutzutage Unternehmen einiges einfallen lassen. Schwer umkämpft sind derzeit Menschen, die sich etwas genauer mit dem Computer auskennen, als ihn nur an- und ausschalten zu können. Bei den Medien die Welt und Berliner Morgenpost hat man sich dabei etwas Cleveres ausgedacht. Man hat sich überlegt, die Programmierer dort anzusprechen, wo sie sich besonders Zuhause finden. Ich bin mehr oder weniger zufällig darauf gestoßen, als ich die Quellcodes der beiden Seiten wegen einer Contentproblematik verglich, die mir aufgefallen war. Ich dürfte aber einer der wenigen Menschen sein, die sich den Quellcode als Nichtprogrammierer auch mal ansehen. (mehr …)

Die Invasion der KMU-Zombies auf Facebook

Verantwortliche von Unternehmensseiten auf Facebook stellen einen massiven Rückgang der Sichtbarkeit ihrer Seiten über die letzten Jahre fest. Der von mir geschätzte Wolfgang Lüneburger  rechnet in einem aktuellen Artikel der W&V mit einer Sichtbarkeit von lediglich 2% der eigentlichen Fans. Was bedeutet eine solche Entwicklung aber für KMUs oder auch NGOs? Bereits auf der Content-Marketing Conference in Köln letzes Jahr erzählte einer der Vortragenden, dass bei seinem mittelständischen Unternehmen das gesamte Mediabudget in Facebook fließe. Nun werden die Budgets nicht unbedingt deutlich größer, während die Kosten deutlich steigen. Opfer ihres eigenen Erfolges Dabei werden die Unternehmen Opfer ihres eigenen Erfolges. Hat man mit einem hohen Einsatz von Mediabudget eine große Fananzahl bei Facebook für die eigene Seite aufgebaut, ist es um so teurer, alle Fans mit einem eigenen Post in der Timeline zu erreichen, je mehr Fans man hat. (mehr …)

Gespräche im Schokoladenladen

Es gibt in der Nähe vom Bundesplatz ein ganz wundervolles Schokoladengeschäft, welches ich sehr gern für kleine Präsente aufsuche. Als ich mich neulich im Laden aufhielt, kam die Sprache auf Halloween. Eine der beiden Verkäuferinnen erzählte von einem Erlebnis, welches ich großartig fand. Ein kleiner junge betrat it seiner Mutter den Laden, um Süßes sonst gibt es Saures zu fordern. Er hatte, wahrscheinlich mangels anderer Verkleidungsmöglichkeiten, ein Marienkäferkostüm an. Die Verkäuferin fand ihn allerliebst und meinte freundlich zu ihm: „Du hast aber ein hübsches Marienkäferkostüm an.“ Daraufhin fing der Kleine fast an zu weinen und meinte ganz empört: „Ich bin ein böser Käfer. Mama, sag ihr, dass ich ein böser Käfer bin!“

Bei Bill Gates im Basecamp Berlin

Eine Einladung von Bill Gates schlägt kaum jemand aus. Entsprechend voll ist es bereits, als ich rund eine halbe Stunde vor Einlass-Ende im Basecamp eintreffe. Als Moderator hat man Cherno Jobatey eingeladen. Der nimmt seinen Job ernst und vermittelt den wartenden Gästen zwischen Bob Marley die Spielregeln für die Begegnung. Keine Fragen zu Microsoft oder Apple. Damit es hinterher nicht zu lähmendem Schweigen bei der Q&A-Runde kommt, wird dann auch schon mal fleißig fragen auf Englisch geübt. Zwischendurch werden Leute, die das Pech haben, von ihm erkannt zu werden, für ein Statement auf die Bühne gezerrt. Damit gelingt es, die Wartezeit zu überbrücken. Irgendwann ist er dann da, der lang erwartete Bill Gates. Ihn empfängt ein kräftiger Applaus. Angenehmerweise keiner dieser übertriebenen TV-Quizshow-Sorte. Man hat Bill Gates zwei weitere Personen mit aufs Podium gesetzt. Beide machen an sich einen ausgesprochen interessanten Job. PD Dr.-Ing. habil. Mohit Kumar, Forschungsgruppenleiter am Center for Life Science Automation an der Universität Rostock und Jirka Vierhaus, Unternehmensentwicklung der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Einer macht spannende Sachen mit Ohren, der andere unter anderem spannende Sachen mit Social Media-Strategien. Neben Bill Gates sind sie leider eher nur Staffage. In der anschließenden Q & A werden sie zu 99% ignoriert. Lediglich Jirka Vierhaus bekommt eine Frage zum Thema Transparenz gestellt. Bill Gates ist locker, ein Profi, der glücklicherweise auf einen Moderationsprofi trifft, der interessante Fragen zu stellen weis. Das fängt damit an, wie so ein Essen mit Angela Merkel ist. Was nicht gefragt wird, kann in der Fragesession vom Publikum nachgeholt werden. Natürlich nutzen einige Frager die Möglichkeit, auf ihre eigenen Projekte aufmerksam zu machen, aber insgesamt sind eine ganze Reihe wirklich guter Fragen dabei. Das fängt von einer simplen Frage, wie man am […]