214214779Eigentlich halte ich gerne Reden oder Vorträge. Ich mag die Interaktion mit dem Publikum und es macht mir Freude, die passenden Formulierungen für eine Rede zu finden. Ich kann mich eigentlich nicht erinnern, mich vor einer öffentlichen Ansprache gegruselt zu haben. Vielleicht mal in der Grundschule, aber das ist lange her. In der Oberschule habe ich einmal eine Rede gehalten, die nicht gewertet wurde. Es war eine selbst geschriebene Rede eines fiktiven Politikers, die viele Sätze aber keinerlei Aussage enthielt. Ich habe lange an den Formulierungen gefeilt, die keinerlei wirklichen Sinn ergaben, nur Worthülsen waren. Ich wurde von der Lehrerin dazu verdonnert, eine zweite Rede zu schreiben, obwohl meine wahrscheinlich die mit Abstand aufwendigste Rede vom Erstellprozess bis hin zum Halten gewesen war. Die zweite Rede war dann ein Pamphlet über eine Fast-Food-Kette komplett in Reimform, die sie erstaunlicherweise anerkannte.
Jetzt habe ich eine Rede gehalten, vor der ich mich gefürchtet habe. Es war eigentlich das erste Mal, dass ich Zweifel hatte, ob ich die Rede so wie gewünscht halten kann. Dabei habe ich es mir freiwillig auferlegt. Der Vorschlag kam von mir, da mir wichtig war, dass jemand aus meiner Familie zu dem Anlass ein paar Worte spricht. Ich hatte mir vorgenommen, häufiger ins Publikum zu sehen. Ich hatte den Redetext auf einem Blatt, was ich sonst nicht gerne mache, da dann zu schnell ein Ablesen daraus wird. Aber ich brauchte diesmal den Text, um mich daran festzuhalten. Natürlich hatte ich ihn geübt. Mehrmals daheim, sozusagen im stillen Kämmerlein. Ich habe dann weitestgehend trotzdem entgegen meiner Gewohnheit abgelesen und weniger die Zuhörer angesehen als üblich. Ich war glücklicherweise recht früh dran. Ich habe leiser als sonst gesprochen und der Dank zum Schluss wäre mir fast nicht mehr über die Lippen gekommen.
Hinterher habe ich von vielen Menschen gesagt bekommen, dass ich das gut gemacht habe, obwohl ich nicht das Gefühl hatte, dass es gut war. Ich war einfach nur froh, es halbwegs sauber über die Bühne gebracht zu haben. Ich hoffe nur, dass ich es sobald nicht wieder tun muss.
Auf der Beerdigung eines geliebten Menschen sprechen, der mich geboren und liebevoll großgezogen hat.

Ich werde sie noch sehr lange vermissen.

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