GrabsteinVerantwortliche von Unternehmensseiten auf Facebook stellen einen massiven Rückgang der Sichtbarkeit ihrer Seiten über die letzten Jahre fest. Der von mir geschätzte Wolfgang Lüneburger  rechnet in einem aktuellen Artikel der W&V mit einer Sichtbarkeit von lediglich 2% der eigentlichen Fans.
Was bedeutet eine solche Entwicklung aber für KMUs oder auch NGOs?
Bereits auf der Content-Marketing Conference in Köln letzes Jahr erzählte einer der Vortragenden, dass bei seinem mittelständischen Unternehmen das gesamte Mediabudget in Facebook fließe. Nun werden die Budgets nicht unbedingt deutlich größer, während die Kosten deutlich steigen.

Opfer ihres eigenen Erfolges

Dabei werden die Unternehmen Opfer ihres eigenen Erfolges. Hat man mit einem hohen Einsatz von Mediabudget eine große Fananzahl bei Facebook für die eigene Seite aufgebaut, ist es um so teurer, alle Fans mit einem eigenen Post in der Timeline zu erreichen, je mehr Fans man hat.
Wenn ich beispielsweise eine Seite mit 1500 Fans habe, erreiche ich diese sicher alle noch relativ billig mit einem Einsatz von 15 Euro. Habe ich dagegen 150.000 Fans muss ich rund 1400 Euro berappen, und damit sehen noch nicht einmal sicher alle Fans den neuen Eintrag.
Geht man davon aus, dass diese Beiträge eher steigen als sinken, kann man sich recht leicht ausrechnen, wann das Marketing-Budget bei KMUs und NGOs für Facebook an seine Grenzen stößt oder bereits gestoßen ist.
Was bedeutet das für die Zukunft?

Man muss sich fragen, ob es sich lohnt, wie von Facebook gefordert, hochwertigen Content für die Facebook-Pages zu erschaffen. Bekannt war schon länger, dass diese Inhalte auf Facebook eine recht kurze Halbwertszeit haben. Bedenkt man nun noch, dass sie in dieser recht kurzen Zeit auch nur noch von extrem wenig Fans gesehen werden, wenn man nicht massiv monetär in die Sichtbarkeit investiert, kann man eigentlich niemandem dazu raten, für Facebook aufwendige alltägliche Inhalte bereitzustellen. Das bedeutet, dass lediglich, wenn das Budget überhaupt vorhanden ist, für Kampagnen tiefer in die Tasche gegriffen werden wird und solche Posts auch promotet werden. Das wiederum bedeutet, dass der Durchschnittsfan von den Unternehmen lediglich noch Werbung in der reinen Kampagnenform zu sehen bekommt. Da ist dann nichts mehr übrig vom viel beschworenen Dialog der Unternehmen mit den Fans auf Facebook (von Augenhöhe redet ja schon lange keiner mehr). Ob das die Beliebtheit von Unternehmensseiten bei den Fans steigert, bleibt abzuwarten.
Wenn die Erstellung von Inhalten aber aufgrund einer nur geringen Reichweite der Posts mit einer kurzen Halbwertszeit für die Aufmerksamkeit sich nicht mehr rechnet, werden zunehmend Seiten von KMUs den langsamen Tod sterben, indem nur noch wenig bis schließlich nichts mehr an Inhalten darauf verbreitet werden wird. Selbst wenn die Frequenz vielleicht noch aufrechterhalten bleiben sollte, wird sicherlich an den Inhalten gespart werden. Auch so kann man eine Facebook-Seite langsam sterben lassen. Die Folge sind Seiten, die ich als Zombies bezeichne. Sie leben nicht mehr wirklich, weigern sich aber, den digitalen Tod zu sterben, dam man ja doch noch eine beachtliche Fananzahl hat, auch wenn man es sich nicht mehr leisten kann, diese zu erreichen.

Was ist die Alternative?

Derzeit kostet der Dialog mit Fans auf Google+ die Unternehmen noch nichts. Nur sind es dort meist erheblich weniger. Will man eigenen aufwendig produzierten Inhalt längerfristig einer Vielzahl von Fans zugängig machen, ist die eigene Webdomain und wenn vorhanden ein eigenes Blog derzeit grundsätzlich gesprochen die aus meiner Sicht attraktivste Alternative. Inhalte dort reifen eher für die Suchmaschine, anstatt den Vergessenheitstod des Social Media-Kanals zu sterben. Je nach Unternehmen und Land in dem sie agieren, können auch andere Social-Media-Kanäle von Interesse sein. Ein Dutzend Social-Media-Berater wartet darauf, sie diesbezüglich zu beraten. Und ja, es gibt auch einige richtig Gute, die man fragen kann.

UPDATE: 

Eine Studie wurde von time veröffentlicht, die von einer derzeitigen Sichtbarkeit von 6 Prozent ausgeht. Ein massiver Abfall innerhalb eines Jahres.

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