Netzkrams

Von autonomen Autos und mal etwas weiter gedacht

Für viele Menschen ist ein selbstfahrendes Auto auf unseren Straßen noch so weit entfernt, wie ein Flug in den Weltraum. Dabei ist jetzt bereits ein Teil der A9 als Teststrecke für selbstfahrende vom Verkehrsminister auserkoren worden. Die Vorteile offenbaren sich jedem, der sich schon durch quälend zähen Berufsverkehr oder auf einer Autobahn bei Stau und schlechter Sicht in den Urlaub gekämpft hat. Dabei hat zwischen traditionellen Autoherstellern und neuen Playern wie google ein Wettrennen eingesetzt, was dem Ganzen massiv Geschwindigkeit verleiht. Was bedeutet diese Entwicklung eigentlich für Branchen abseits der Autoindustrie? Nehmen wir den zuerst den klassischen Taxifahrer. Man muss sich ernsthaft die Frage stellen, ob dieser Beruf in zehn Jahren noch existiert. Wenn eine Flotte selbstfahrender Autos mich auch an einen gewünschten Ort bringen kann, warum sollte ich das Risiko eines Taxifahrers eingehen. Wer sich wundert, welche Risiken ich meine, kann einen Blick auf die Prüfkriterien des TÜV-Süd für die Verlängerung von Taxischeinen werfen.

Dort werden z. B. aufgeführt:

• Belastbarkeit

• Orientierungsleistung

• Konzentrationsleistung

• Aufmerksamkeitsleistung

• Reaktionsfähigkeit

In welchem der oben genannten Punkte sollte in ausgereiftes autonomes Fahrzeug einem Taxifahrer ernsthaft unterlegen sein? Von der Sehfähigkeit und schweren Krankheiten ganz zu schweigen. Es mag sein, dass einige menschliche Fahrer durch exzellenten Service oder die Steuerung von Oldtimern als kleine Nische wirtschaftlich überleben. Die Masse wohl eher nicht. Gleichzeitig lohnt sich die Frage, inwieweit ein eigenes Auto zumindest dann noch Sinn macht, wenn ich, da die Personalkosten wegfallen, Taxifahrten deutlich billiger anbieten kann. Carsharing-Dienste könnten zudem auf die Gruppe all derer zurückgreifen, die sie bisher mangels eigenen Führerscheins oder verloren gegangen Vertrauens in die eigenen Fahrkünste (z. B. alte […]

By |Februar 11th, 2015|Netzkrams|1 Comment

Die Problematik von iStock-Bildern auf der eigenen Webpräsenz

VerbotDas Landgericht Frankfurt hat sich Gedanken über Webseiten gemacht, die iStock-Bilder verwenden und gleichzeitig den Share-Button von Facebook eingebunden haben.
Grundsätzlich geht es dabei um das Problem, dass bei vielen über solche Bilderdienste gekauften Bildern kein Recht erteilt wird, die Bildrechte an Andere weiterzugeben. Wird ein solches Bild bei Facebook geteilt, wird Facebook nach seinen Geschäftsbedingungen ein Nutzungsrecht eingeräumt. Die Richter in Frankfurt unterscheiden hierbei sehr genau zwischen einem Link und einer Einbindung via Facebook-Sharebutton (oder dem entsprechenden Button eines beliebigen Social Networks). Die Richter sehen die Problematik nicht beim teilenden Nutzer, sondern beim Seitenbetreiber, der den Button eingebaut hat. Die Folge können Abmahnungen der Bilderdienste mit lizenzrechtlichen Nachforderungen sein.
Wichtig ist: Es gibt zu der Problematik noch keine Richtlinien- Entscheidung des Bundesgerichtshofes.
Das bedeutet für die Praxis, dass theoretisch noch jedes Gericht entscheiden kann, wie es will. Man sollte die Entwicklung allerdings auf jeden Fall im Auge behalten. (mehr …)

By |November 23rd, 2014|Netzkrams|0 Comments

Die iStockisierung der Blogs

Es ist wahrscheinlich eine Folge der vielen Posts darüber, wie ein optimaler Blogbeitrag auszusehen hat. Besonders in den wirtschaftlich ausgerichteten Blogs gibt es so gut wie keine Beiträge mehr ohne Fotos. An sich finde ich das nicht schlecht. Ich mag Fotos, fotografiere sogar ausgesprochen gern. Mir ist auch klar, dass nicht jede Person gerne fotografiert. Man benötigt Zeit und das passende Motiv. Wenn dann verschwommene Smartphone-Bildchen zum Einsatz kommen, kann es sehr schnell peinlich wirken. Deshalb hält eine offensichtliche Lösung Einzug. Man nimmt einfach iStock-Fotos oder die entsprechenden mehr oder weniger kostenlosen Bildplattformen. (mehr …)

By |November 3rd, 2014|Netzkrams|4 Comments

Warum der AfD-Hack so problematisch ist.

Heute wurde in Twitter-Account der AfD gehackt. Die veröffentlichten Tweets zielten ganz klar darauf, die AfD als rechtsextreme Partei zu diskreditieren. Der Hack fand bei Twitter sehr viel Zustimmung. Vereinzelt gab es Kritik. In der Masse wurde die Aktion als belustigend und gut gelobt.
Was mich daran regelmäßig den Kopf schütteln lässt, ist, dass Aktionen, die man sonst als nicht akzeptabel, wie das Hacken eines Accounts ansieht, mit einem Male okay sind, wenn mir nur das Ziel in den Kram passt. Natürlich kann man ohnehin fragen, ob die Aktion der AfD, (deren politische Ziele nebenbei ziemlich konträr zu meinen Ansichten stehen,) nicht eher nützt als schadet. Darum geht es mir aber nicht. Mich stört schlichtweg, wie wenig Demokratie verteidigt wird, wenn es auch mal wehtut. Für mich gehört der Twitter Account einer in Deutschland zu einer Wahl zugelassen Partei zu unserem demokratischen System. Wird ein solcher Hack erst ein Angriff auf demokratische Spielregeln, wenn wir die Partei mögen, die betroffen ist? Es ist eine ähnliche Problematik wie mit den „Verschönerungen“ von Wahlplakaten missliebiger Parteien. Das Phänomen an sich ist ja nicht neu. Ich erinnere mich nur allzu gut an eine Veranstaltung vor Jahren auf der re:pulica, wo wie ein Sieg in einer Podiumsdiskussion verkündet wurde, dass die Webseite von Wolfgang Schäuble gerade gehackt worden war. Gleichzeitig wurde aber fleißig der Schutz des Individuums im Netz debattiert. Das löste spontanes Jubeln bei den Zuhörern aus, welches ich irritiert zur Kenntnis nahm. Das war 2009. Man kann argumentieren, dass dies vor Snowden war, auch wenn man es sich damit etwas sehr einfach macht. Mit dem Bewusstsein jetzt, wie wichtig eine uneingeschränkte Kommunikation für das Individuum ist, hätte ich mir einfach eine andere Reaktion gewünscht. Schließlich kämpfen einige […]

By |September 14th, 2014|Netzkrams|1 Comment

Warum ich seit kurzem gegen ein Pflichtfach Informatik bin

MausIch gebe es zu. Ich habe meine Meinung für ein Pflichtfach Informatik um 180 Grad gedreht. Bis vor kurzem erschien es mir mit Blick auf die Zukunft sinnvoll, dass es ein Pflichtfach Informatik gibt und die Kinder eine Programmiersprache lernen sollten, ähnlich wie Englisch oder Französisch. Letztens wurde die Notwendigkeit für ein Pflichtfach Informatik auch damit begründet, dass die Menschen in Zukunft ihre Umwelt nicht mehr verstehen würden. Ich mag den gerade verlinkten Artikel, bezweifele aber, dass die Menschen bereits derzeit ihre Umwelt verstehen. Einfach mal den freundlichen Nachbarn oder sich selbst fragen, wie genau denn nun das ABS-System am Auto funktioniert, wie eine Kreditkarte hergestellt wird oder wofür die Vitamine E und K im Körper wichtig sind. Von der Frage abgesehen, was man für den Informatikunterricht aus dem derzeitigen Pflichtprogramm der Schüler entsorgt, gibt es ja ohnehin die interessante Vision, dass die Informationen in naher Zukunft ohnehin alle im Netz zu finden sind und man sich stattdessen mehr darauf konzentrieren müsste, das Auffinden und selbstständige Lernen zu fördern. Doch ich schweife ab.

Was mich zur Meinungsänderung getrieben hat ist eine gute Portion Pessimismus gemischt mit einer Retrospektive und einem Löffel Realität. In meiner Schulzeit wurde bereits das Fach Informatik angeboten. Ich war mit einigen wenigen Interessierten an dem Thema eigentlich Hauptzielgruppe des Faches. Dummerweise hat es dann keiner von uns freiwillig belegt. Die Gründe waren einfach. Die Computer waren, wie wir wussten, hoffnungslos veraltet und die Programmiersprache, die gelehrt wurde, ähnlich tot wie altgriechisch. Nun kann man immer sagen, man lernt das Prinzip zu verstehen. So wie Latein einem helfen soll, die Grammatik zu verstehen. Nur, hatten wir als Schüler schlichtweg keine […]

Was kostet eigentlich die SXSW?

sxsw Die SXSW in Austin ist eine der interessantesten Veranstaltungen für Menschen, die sich mit Netzthemen auseinandersetzen. Warum das so ist, haben andere schon recht gut erläutert, z. B. hier oder hier. Es gibt neben dem Interaktive-Part dort noch eine ganze Menge zu sehen, was auch Musik oder Filmenthusiasten lockt. Ich beschränke mich aber erst mal auf den interaktiven Part. In Deutschland ist etwas vergleichbares derzeit nicht in Sicht. Auch die leweb in Paris ist gegen die SXSW so etwas wie der kleine Bruder. Leider ist ein besuch bei der SXSW nicht billig, weshalb sich die meisten Chefs in Deutschland dagegen sträuben dürften, einen solchen Trip in die USA zu bezahlen.
Ich habe deshalb im letzten Jahr beschlossen, auf eigene Kosten zur SXSW zu reisen. In diesem Artikel will ich etwas näher auf die Kosten eingehen, mit denen man rechnen muss, wenn man sich dazu entschließt, die SXSW auf eigene Faust zu besuchen.
Die Preise sind in diesem Jahr stabil geblieben. Wer sich nur für den Interaktive-Part interessiert, benötigt ein Interaktive-Ticket. Das kostet in der ersten Phase des Verkaufs 850 $ bis hin zu 1295 $ für Kurzentschlossene (ein Platinum-Badge für das gesamte Angebot als Early bird 1345 $). Das ist auch der Preis, den ich letztes Jahr für das Ticket gezahlt habe. Man kann natürlich als Medienschaffende rauch versuchen, als Journalist akkreditiert zu werden. Allerdings ist sind die Hürden dafür höher als bei einer 0815-Messe in Deutschland.
Generell gilt, den Trip möglichst frühzeitig zu planen. Ich hatte im letzten Jahr meine Reisevorbereitungen bis zum September abgeschlossen. Also gut sechs Monate vor Beginn. Das sicherte mir zum einen das erwähnte early bird […]

Ein Xing Premium Feature gibt es auch kostenlos

Ich habe mich vor einiger Zeit entschlossen, meinen Xing Premium Account aufzugeben. Grundsätzlich bin ich gern bereit, für sinnvolle Dienste im Netz Geld zu bezahlen. Allerdings habe ich mich bei der letzten Erhöhung dann gefragt, ob ich den Premium Account wirklich benötige.
Was ich als einziges Premium-Feature wirklich genutzt habe, war, zu sehen, wer sich denn für mein Profil interessiert hat.
Allerdings kann man dies in den meisten Fällen sehr simpel auch ohne Premium-Account herausfinden. (mehr …)

Von Krautkritik und der Schwierigkeit, selbst was zu wuppen

Die Aufregung um Krautreporter hat sich noch nicht gelegt und ich hab lange überlegt, ob ich was dazu sagen soll. Zu den Kritikern gehören von mir geschätzte Personen. Da überlegt man immer zweimal, ob man mit seiner Meinung wirklich richtig liegt. Was für mich persönlich ein absolutes No Go ist, ist Kritik, die sich an Äußerlichkeiten von Journalisten aufbaut. Mir ist schon klar, dass das kleine Wort „adipös“ wahrscheinlich mehr aus Häme denn aus echter Kritik gegenüber der Redaktion geäußert wurde. Vielleicht kann mir jemand erklären, was die Körperform mit der Fähigkeit, guten Journalismus zu produzieren, zu tun hat? Wahrscheinlich nicht. Wollen wir wirklich, dass sich Journalisten wie Modells präsentieren? Erste Ansätze dazu gibt es schon. Vielleicht bin ich da aber auch deshalb schlichtweg empfindlich, weil ich in anderen Bereichen bereits eine Tendenz dazu sehe, z. B. bei in den Medien live übertragenen Gerichtsprozessen, wo dem Äußeren der Handelnden eine immer stärkere Aufmerksamkeit entgegengebracht wird, die nicht der Gerechtigkeitsfindung dient. (mehr …)

Internetproteste gegen Boko Haram

Gestern konnte man in den Tagesthemen einen Bericht über Gräueltaten der Terrororganisation Boko Haram sehen. Im Laufe des Beitrags gab es dann eine Kollektion von Internetprotesten gegen die Entführung von 267 (die Zahlen variieren je nach Quelle) Mädchen aus einer Mädchenschule. Mit dabei auch Prominente aus Deutschland wie Westernhagen und Joko und Claas, die für den guten Zweck in die Kamera lächeln und ein Schild mit der Bitte um Freilassung der Mädchen hochhalten. Das ist sicherlich gut gemeint. Es zeigt allerdings geradezu erschreckend die Hilflosigkeit der Menschen, denen das Schicksal der Mädchen nahe geht. Die Boko Haram – Ideologie sieht jede Form der Interaktion mit der westlichen Welt als Sünde an. Deshalb werden die fleißigen und gut gemeinten Bilder wahrscheinlich nicht einmal gesehen werden. Von einer Wirkung ganz zu schweigen. Wer bereit ist, wehrlose Menschen niederzumetzeln wird sich wohl nicht davon beindrucken lassen, dass sich Leute mit Bilderbotschafte zu Wort melden. Deshalb dürfte die einzige Funktion dieser Botschaften sein, dass sich die Menschen danach selbst besser fühlen. Mit etwas Glück sehen sie die Angehörigen der entführten Mädchen und fühlen sich ein wenig in ihrem verzweifelten Kampf ermutigt. Das wäre schön. Allerdings hat die Nachricht der entführten Mädchen bereits drei Wochen gebraucht, um überhaupt ins Blickfeld der Öffentlichkeit zu gelangen. Die wenigsten werden wohl ihre Zeit auf Twitter etc. verbringen.

So erinnert das Ganze ein wenig an das, was Sascha Lobo beim Start der re:publica bezüglich der Netzpolitik anmerkte. Wie wenig ein Tweet bewegt. Der Norden Nigerias ist arm. Es herrscht hohe Arbeitslosigkeit. Boku Haram hat nicht solchen Zulauf dort, weil die Menschen alle glücklich sind. Ich hätte mir bei dem Tagesthemen-Bericht einen Hinweis gewünscht, was man tun könnte, um […]