Alltägliches

Wenn das Schule macht

Create a Dynamic Name Tag - Name Tag Creator 2014-12-08 18-12-47Ich besuchte heute in der Mittagspause mit einem freundlichen Kollegen eine amerikanische Kaffeehaus-Kette. Dort trugen die Angestellten Namensschilder. Neu war für mich, dass das Namensschild aus dem Vornamen des Trägers und einem angebotenen Produkt bestand. Den gekauften Keks überreichte eine Dame namens „Jennifer Lachsbagel“.

Übeträgt sich die Idee auf andere Branchen gibt es klare Gewinner und Verlierer. Während der Kellner im italienischen Restaurant mit Paolo Primavera geradezu poetisch klingt, haben es Leute beim Drogeriemarkt wie Amanda Hornhautraspel oder Wigald WC-Bürste schon schwerer. Spätestens beim Proktologen wird wohl jedem Leser klar, dass sich bestimmte Berufsgruppen diesem Trend verschließen sollten. Generell bin ich ja dafür, dass Angestellte davor bewahrt werden sollten, sich durch alberne, erzwungene Outfits bloßgestellt zu werden. Ich erinnere mich nur zu gut, wie eine Backwarenkette die Angestellten dazu verdonnerte, alberne Weihnachtsgeweihe während der Arbeit zu tragen. Vielleicht hat das Management ja gedacht, die Kunden kaufen dann aus purem Mitleid mehr. Trinkgeld, auch aus spontaner Schamsolidarität, ist ja beim Bäcker eher unüblich, sodass die Angestellten leider nichts davon hatten.

Sollten aber demnächst Petitionen der Angestellten ausliegen, dass die werten Kunden sie beim Kampf gegen alberne Namensschilder und Outfits unterstützen mögen, bin ich der Erste, der unterschreibt.

Versprochen!

Ungebetene Gäste

Es war an einem Donnerstag im Winter, als ich mit meiner Tochter nach Hause kam. Wir betraten das Haus und die Zwischentür ließ sich nicht öffnen. Für eine Sekunde dachte ich an einen Scherz meines Sohnes. Aber der war bei den Großeltern. Dann ahnte ich, was los war. Ich ging zum Garten und sah schon die kaputte Glastür. Schnell 110 gewählt und das Kind bei den Nachbarn abgegeben. Es sollte nicht sehen, wie es innen aussah. Das Haus habe ich nicht allein betreten. Wir haben nichts, wofür es sich lohnt, eine schwere Verletzung zu riskieren. Deshalb sind die beiden Polizisten in Zivil als Erste rein. Der Schaden war überschaubar. Ein gutes Laptop (das Günstige wurde nicht mitgenommen), ein paar teure Uhren und Schmuck. Deutlich weniger Unordnung als erwartet. Da ist man von den Krimis im TV immer sonst was gewohnt. Geradezu freundlich war es von den Einbrechern, die Festplatte vom Macbook abzuziehen und dazulassen. Am Aufwendigsten ist die Beseitigung des Schadens.

Ein befreundeter Tischler leistet Erste Hilfe. Später muss der gesamte Rahmen ausgetauscht und das Parkett teilweise dafür entfernt werden. Es war schlechtes Timing. Die Alarmanlage sollte in zwei Wochen installiert werden. Einbruchsversuche bei den Nachbarn hatten uns zu diesem Schritt veranlasst. Zu spät für die paar Sachen aber gerade richtig, um die Kinder dann wieder nach dem Einbruch ruhig schlafen zu lassen. Am Unangenehmsten ist das Gefühl, dass jemand da in der eigenen Privatsphäre unterwegs war und die Angst der Kinder nach dem Einbruch. Für sie ist es ein Riss in der heilen Welt. An alleine schlafen war in den ersten Nächten nicht zu denken. Zudem das Gefühl, ausspioniert worden zu sein. Die Einbrecher kamen genau dann, wo ich zu der Zeit immer die […]

Wie es bei uns um die lokale Bildungspolitik bestellt ist.

Man hat sich bei uns in meinem Berliner Bezirk gedacht, sparen wäre gut. Das finde ich erst mal nicht verkehrt. Deshalb hat man ein Rathaus verkauft. Die dort bisher untergebrachten Institutionen wie das Vermessungsamt sollen in ein anderes Rathaus weichen. Dort ist natürlich kein Platz. Deshalb kam man auf die Idee, die Bibliothek aus dem Rathaus in ein nahes Hortgebäude der Schule meiner Kinder zu verpflanzen. Okay, die Räume wurden gerade erst vor fünf Jahren teuer für den Hortbetrieb umgebaut. Man hat auch eine Förderung erhalten, weil man versprach, die Bibliothek auszubauen und das Hortgebäude ist kleiner als die alte Bibliothek, weshalb wohl die Erwachsenbibliothek bei dem Umzug drauf geht. Macht nichts, man kann das ja Mal so beschließen. Damit man sich nicht mit möglichen Problemen belastet, macht man das natürlich, ohne die Betroffenen wie die Schulleitung oder die Elternvertretung vorher zu fragen. Hätte man das getan, hätte man nämlich unangenehme Dinge erfahren. Wie zum Beispiel, dass in einem der beiden Hortgebäude bereits eine Klasse untergebracht werden musste, weil in der Schule bereits akuter Raummangel herrscht. Oder das der Hort derzeit bereits überbelegt ist und man keine Ahnung hat, was man mit den 70 Kindern machen soll, die der Bibliothek weichen sollen, die natürlich auch nicht umziehen mag. (mehr …)

Die schwerste Rede meines Lebens

214214779Eigentlich halte ich gerne Reden oder Vorträge. Ich mag die Interaktion mit dem Publikum und es macht mir Freude, die passenden Formulierungen für eine Rede zu finden. Ich kann mich eigentlich nicht erinnern, mich vor einer öffentlichen Ansprache gegruselt zu haben. Vielleicht mal in der Grundschule, aber das ist lange her. In der Oberschule habe ich einmal eine Rede gehalten, die nicht gewertet wurde. Es war eine selbst geschriebene Rede eines fiktiven Politikers, die viele Sätze aber keinerlei Aussage enthielt. Ich habe lange an den Formulierungen gefeilt, die keinerlei wirklichen Sinn ergaben, nur Worthülsen waren. Ich wurde von der Lehrerin dazu verdonnert, eine zweite Rede zu schreiben, obwohl meine wahrscheinlich die mit Abstand aufwendigste Rede vom Erstellprozess bis hin zum Halten gewesen war. Die zweite Rede war dann ein Pamphlet über eine Fast-Food-Kette komplett in Reimform, die sie erstaunlicherweise anerkannte.
Jetzt habe ich eine Rede gehalten, vor der ich mich gefürchtet habe. (mehr …)

Gespräche im Schokoladenladen

Es gibt in der Nähe vom Bundesplatz ein ganz wundervolles Schokoladengeschäft, welches ich sehr gern für kleine Präsente aufsuche. Als ich mich neulich im Laden aufhielt, kam die Sprache auf Halloween. Eine der beiden Verkäuferinnen erzählte von einem Erlebnis, welches ich großartig fand.
Ein kleiner junge betrat it seiner Mutter den Laden, um Süßes sonst gibt es Saures zu fordern. Er hatte, wahrscheinlich mangels anderer Verkleidungsmöglichkeiten, ein Marienkäferkostüm an.
Die Verkäuferin fand ihn allerliebst und meinte freundlich zu ihm: „Du hast aber ein hübsches Marienkäferkostüm an.“

Daraufhin fing der Kleine fast an zu weinen und meinte ganz empört: „Ich bin ein böser Käfer. Mama, sag ihr, dass ich ein böser Käfer bin!“

Bei Bill Gates im Basecamp Berlin

Eine Einladung von Bill Gates schlägt kaum jemand aus. Entsprechend voll ist es bereits, als ich rund eine halbe Stunde vor Einlass-Ende im Basecamp eintreffe.
Als Moderator hat man Cherno Jobatey eingeladen. Der nimmt seinen Job ernst und vermittelt den wartenden Gästen zwischen Bob Marley die Spielregeln für die Begegnung. Keine Fragen zu Microsoft oder Apple. Damit es hinterher nicht zu lähmendem Schweigen bei der Q&A-Runde kommt, wird dann auch schon mal fleißig fragen auf Englisch geübt.
Zwischendurch werden Leute, die das Pech haben, von ihm erkannt zu werden, für ein Statement auf die Bühne gezerrt. Damit gelingt es, die Wartezeit zu überbrücken.

Irgendwann ist er dann da, der lang erwartete Bill Gates. Ihn empfängt ein kräftiger Applaus. Angenehmerweise keiner dieser übertriebenen TV-Quizshow-Sorte. Man hat Bill Gates zwei weitere Personen mit aufs Podium gesetzt. Beide machen an sich einen ausgesprochen interessanten Job. PD Dr.-Ing. habil. Mohit Kumar, Forschungsgruppenleiter am Center for Life Science Automation an der Universität Rostock und Jirka Vierhaus, Unternehmensentwicklung der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Einer macht spannende Sachen mit Ohren, der andere unter anderem spannende Sachen mit Social Media-Strategien. Neben Bill Gates sind sie leider eher nur Staffage. In der anschließenden Q & A werden sie zu 99% ignoriert. Lediglich Jirka Vierhaus bekommt eine Frage zum Thema Transparenz gestellt.
Bill Gates ist locker, ein Profi, der glücklicherweise auf einen Moderationsprofi trifft, der interessante Fragen zu stellen weis. Das fängt damit an, wie so ein Essen mit Angela Merkel ist. Was nicht gefragt wird, kann in der Fragesession vom Publikum nachgeholt werden. Natürlich nutzen einige Frager die Möglichkeit, auf ihre eigenen Projekte aufmerksam zu machen, aber insgesamt sind eine ganze Reihe wirklich guter Fragen dabei. Das fängt von einer simplen Frage, wie man am […]

Bill und ich

Ich habe mich nie besonders für Prominente interessiert. Wenn ich mit einer früheren Kollegin auf der Schönhauser Allee unterwegs war, sagte sie mir oft, an wem ich gerade achtlos vorbei gegangen war. Das hing einerseits mit meinem mangelnden Fernsehkonsum zusammen, andererseits mit einem Verzicht auf Zeitschriften, deren Inhalt sich aus dem Privatleben anderer Menschen generiert.
Meine allenfalls rudimentäre Bildung in diesem Bereich verdanke ich der letzten Seite der Tageszeitung. Das mag jetzt überheblicher klingen, als es gemeint ist. Ich kann mich auch für Dinge begeistern, an denen gebildete Mitmenschen ratlos vorbeiziehen. Im Fall von Prominenten mag es auch deshalb so sein, weil das Privatleben mit dem Geleisteten oft nur unzureichend zusammenhängt. Wenn ich überlege, wen ich für seine Leistung bewundere, fallen mir durchaus einige Personen ein. Ein schönes Beispiel ist Kant. So sehr ich seinen Intellekt bewundere, so langweilig und geradezu abschreckend sind die Erkenntnisse, die ich über dessen Privatleben erfahren habe. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich noch nie in einem persönlichen Gespräch mit einem meiner Idole war. Am nächsten dürfte mal eine Lesung mit Tad Williams in der Passionskirche gewesen sein, die dank seiner Entertainment-Künste und großartiger Fragen aus dem Publikum noch wundervoller war, als ich es mir erhofft hatte.
Jemand, den ich ebenfalls für seine Leistung bewundere, ist Bill Gates. Ich habe die oft Schmähkritikhaften Vergleiche zu Steve Jobs nie recht verstanden. Zumal ich eine Weile, wohl zu unrecht, davon ausging, dass Steve Jobs sich nicht besonders für Ärmere eingesetzt hat. Bill Gates ist in weiten Teilen meines Bekanntenkreises immer noch mehr für das Phänomen des Bluescreen als für sein soziales Engagement bekannt. Heute ist Bill Gates in Berlin und ich habe eine Einladung erhalten, dabei zu sein. […]

Der hat ein Rad (ab)

Ein Typ rollert auf einem Roller mit seinen zwei ebenfalls mit Rollern bewaffneten Kindern zur Schule.
Der Typ bin ich. Gut zwei Jahre, nachdem die Roller für Erwachsene wieder out sind, habe ich einen Roller. Keinen motorisierten, sondern einen Tretroller. Zugegeben, er war ein Geschenk. Nicht selbst gekauft, aber die Schenkende kennt mich ja ziemlich gut. Hatte ich doch schon länger mit dem Gedanken geliebäugelt, mir einen zu kaufen. Nun also heute die erste Probefahrt zur Schule.
Ich ernte jede Menge Blicke. Hauptsächlich irritierte von anderen Erwachsenen. Die sagen so etwas wie, hätte der sich für die Midlife-Crisis nicht einen Porsche kaufen können? Nein, sagt dazu mein Bankkonto. Deshalb sause ich jetzt über den Bürgersteig. Das geht mit einem Porsche auch nicht.

Meine Kinder finden es großartig, dass ihr Papa jetzt einen roller hat wie sie. Mir werden fachmännische Tricks verraten. Endlich kann mal dem Papa was beigebracht werden und nicht andersherum. Die befreundeten Schulkinder werden mit einem lauten „Unser Papa hat einen Roller“ begrüßt.
Auf dem Rückweg spüre ich das Rollern in den Beinen. Es strengt mehr an, als mit dem Rad zu fahren. Der roller soll auch nicht das Rad ersetzen. Mehr das Auto. Wenn ich z. B. nach der Arbeit mal noch nach Kreuzberg reinfahren will. Man ist doch deutlich schneller als zu fuß und ich kann das Teil ohne Aufpreis mit in die S-Bahn nehmen. Zumindest ist das meine Auslegung. Diese sollte ich vielleicht vorher noch einmal überprüfen.
Bis dahin mache ich erst einmal die umliegenden Bürgersteige unsicher. Mein neuer Feind heißt jetzt Kopfsteinpflaster. Die erste Fahrt hab ich immerhin heil überstanden. Es werden weitere folgen.

Allein schon wegen der Blicke.

Meine Rezepte gegen die Schreibblockade

Kerstin Hoffmann hat die charmante Idee einer Blogparade gegen Schreibblockade ins Leben gerufen. Jeder, der versucht, geistige Ergüsse in elektronische Tinte zu gießen, dürfte das Phänomen kennen. Da ich beruflich darauf angewiesen bin, regelmäßig fertige Artikel abzulifern, habe ich einige Strategien gegen die Angst vor dem weißen Papier/Screen entwickelt.
Meine Rezepte unterscheiden sich vom Standort, wo ich mich gerade befinde.
Mein bestes Rezept lautet dazu, ein Wannenbad zu nehmen.Kaum lasse ich mich in die warmen Wogen sinken, kommen mir gute Ideen. Falls jemand ein wasserdichtes Diktiergerät empfehlen kann …?
Nun ahne ich, dass mein Antrag, Badewannen im Großraumbüro aufzustellen, auf Skepsis stoßen könnte. Dort habe ich zwei probate Mittel entwickelt. Erster Schritt ist ein Abtauchen in Musik via Kopfhörer. Dabei funktioniert für mich Musik ohne Gesang am Besten. Hilfreich ist auch ein kurzes Aufstehen, um sich einen Tee zu kochen. Die Zeit, die ich gezwungen bin, darauf zu warten, dass das Wasser im Wasserkocher die richtige Temperatur hat, ist eine ideale Zeit für Ideen. Es funktioniert allerdings nur, wenn man allein in der Teeküche ist. Die Eskalationsstufe ist ein Gang rund ums Karree.
Passend zu dem Thema möchte ich auch einen alten Beitrag von John Cleese empfehlen, in dem er erklärt, wie Kreativität entsteht und was für ihn dafür notwendig ist. Wer wäre ich, John Cleese zu widersprechen?