Ich habe mich nie besonders für Prominente interessiert. Wenn ich mit einer früheren Kollegin auf der Schönhauser Allee unterwegs war, sagte sie mir oft, an wem ich gerade achtlos vorbei gegangen war. Das hing einerseits mit meinem mangelnden Fernsehkonsum zusammen, andererseits mit einem Verzicht auf Zeitschriften, deren Inhalt sich aus dem Privatleben anderer Menschen generiert.
Meine allenfalls rudimentäre Bildung in diesem Bereich verdanke ich der letzten Seite der Tageszeitung. Das mag jetzt überheblicher klingen, als es gemeint ist. Ich kann mich auch für Dinge begeistern, an denen gebildete Mitmenschen ratlos vorbeiziehen. Im Fall von Prominenten mag es auch deshalb so sein, weil das Privatleben mit dem Geleisteten oft nur unzureichend zusammenhängt. Wenn ich überlege, wen ich für seine Leistung bewundere, fallen mir durchaus einige Personen ein. Ein schönes Beispiel ist Kant. So sehr ich seinen Intellekt bewundere, so langweilig und geradezu abschreckend sind die Erkenntnisse, die ich über dessen Privatleben erfahren habe. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich noch nie in einem persönlichen Gespräch mit einem meiner Idole war. Am nächsten dürfte mal eine Lesung mit Tad Williams in der Passionskirche gewesen sein, die dank seiner Entertainment-Künste und großartiger Fragen aus dem Publikum noch wundervoller war, als ich es mir erhofft hatte.
Jemand, den ich ebenfalls für seine Leistung bewundere, ist Bill Gates. Ich habe die oft Schmähkritikhaften Vergleiche zu Steve Jobs nie recht verstanden. Zumal ich eine Weile, wohl zu unrecht, davon ausging, dass Steve Jobs sich nicht besonders für Ärmere eingesetzt hat. Bill Gates ist in weiten Teilen meines Bekanntenkreises immer noch mehr für das Phänomen des Bluescreen als für sein soziales Engagement bekannt. Heute ist Bill Gates in Berlin und ich habe eine Einladung erhalten, dabei zu sein.
Ich bin sehr gespannt, ob es so interessant wird, wie ich es mir erhoffe.

Related posts: