Eine Einladung von Bill Gates schlägt kaum jemand aus. Entsprechend voll ist es bereits, als ich rund eine halbe Stunde vor Einlass-Ende im Basecamp eintreffe.
Als Moderator hat man Cherno Jobatey eingeladen. Der nimmt seinen Job ernst und vermittelt den wartenden Gästen zwischen Bob Marley die Spielregeln für die Begegnung. Keine Fragen zu Microsoft oder Apple. Damit es hinterher nicht zu lähmendem Schweigen bei der Q&A-Runde kommt, wird dann auch schon mal fleißig fragen auf Englisch geübt.
Zwischendurch werden Leute, die das Pech haben, von ihm erkannt zu werden, für ein Statement auf die Bühne gezerrt. Damit gelingt es, die Wartezeit zu überbrücken.

Irgendwann ist er dann da, der lang erwartete Bill Gates. Ihn empfängt ein kräftiger Applaus. Angenehmerweise keiner dieser übertriebenen TV-Quizshow-Sorte. Man hat Bill Gates zwei weitere Personen mit aufs Podium gesetzt. Beide machen an sich einen ausgesprochen interessanten Job. PD Dr.-Ing. habil. Mohit Kumar, Forschungsgruppenleiter am Center for Life Science Automation an der Universität Rostock und Jirka Vierhaus, Unternehmensentwicklung der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Einer macht spannende Sachen mit Ohren, der andere unter anderem spannende Sachen mit Social Media-Strategien. Neben Bill Gates sind sie leider eher nur Staffage. In der anschließenden Q & A werden sie zu 99% ignoriert. Lediglich Jirka Vierhaus bekommt eine Frage zum Thema Transparenz gestellt.
Bill Gates ist locker, ein Profi, der glücklicherweise auf einen Moderationsprofi trifft, der interessante Fragen zu stellen weis. Das fängt damit an, wie so ein Essen mit Angela Merkel ist. Was nicht gefragt wird, kann in der Fragesession vom Publikum nachgeholt werden. Natürlich nutzen einige Frager die Möglichkeit, auf ihre eigenen Projekte aufmerksam zu machen, aber insgesamt sind eine ganze Reihe wirklich guter Fragen dabei. Das fängt von einer simplen Frage, wie man am Besten anfängt zu helfen an und geht teils sehr ins Detail. Ich erfahre, dass eins der größten Probleme in den armen Ländern das fehlende Vorhandensein von hygienischen Toiletten ist. Einerseits ist das logisch, andererseits war es mir neu. Mein Fokus lag bisher eher auf dem Problem mit dem nicht sauberen Wasser. Irgendwann ist dann Schluss.
Bill Gates muss weiter, es gilt, heute Abend noch einen Bambi in Empfang zu nehmen.

Gutes zu tun scheint einem Energie bis ins gesetzte Alter zu verleihen.

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