Archiv für den Monat: Mai 2014

Von Krautkritik und der Schwierigkeit, selbst was zu wuppen

Die Aufregung um Krautreporter hat sich noch nicht gelegt und ich hab lange überlegt, ob ich was dazu sagen soll. Zu den Kritikern gehören von mir geschätzte Personen. Da überlegt man immer zweimal, ob man mit seiner Meinung wirklich richtig liegt. Was für mich persönlich ein absolutes No Go ist, ist Kritik, die sich an Äußerlichkeiten von Journalisten aufbaut. Mir ist schon klar, dass das kleine Wort „adipös“ wahrscheinlich mehr aus Häme denn aus echter Kritik gegenüber der Redaktion geäußert wurde. Vielleicht kann mir jemand erklären, was die Körperform mit der Fähigkeit, guten Journalismus zu produzieren, zu tun hat? Wahrscheinlich nicht. Wollen wir wirklich, dass sich Journalisten wie Modells präsentieren? Erste Ansätze dazu gibt es schon. Vielleicht bin ich da aber auch deshalb schlichtweg empfindlich, weil ich in anderen Bereichen bereits eine Tendenz dazu sehe, z. B. bei in den Medien live übertragenen Gerichtsprozessen, wo dem Äußeren der Handelnden eine immer stärkere Aufmerksamkeit entgegengebracht wird, die nicht der Gerechtigkeitsfindung dient. (mehr …)

Internetproteste gegen Boko Haram

Gestern konnte man in den Tagesthemen einen Bericht über Gräueltaten der Terrororganisation Boko Haram sehen. Im Laufe des Beitrags gab es dann eine Kollektion von Internetprotesten gegen die Entführung von 267 (die Zahlen variieren je nach Quelle) Mädchen aus einer Mädchenschule. Mit dabei auch Prominente aus Deutschland wie Westernhagen und Joko und Claas, die für den guten Zweck in die Kamera lächeln und ein Schild mit der Bitte um Freilassung der Mädchen hochhalten. Das ist sicherlich gut gemeint. Es zeigt allerdings geradezu erschreckend die Hilflosigkeit der Menschen, denen das Schicksal der Mädchen nahe geht. Die Boko Haram – Ideologie sieht jede Form der Interaktion mit der westlichen Welt als Sünde an. Deshalb werden die fleißigen und gut gemeinten Bilder wahrscheinlich nicht einmal gesehen werden. Von einer Wirkung ganz zu schweigen. Wer bereit ist, wehrlose Menschen niederzumetzeln wird sich wohl nicht davon beindrucken lassen, dass sich Leute mit Bilderbotschafte zu Wort melden. Deshalb dürfte die einzige Funktion dieser Botschaften sein, dass sich die Menschen danach selbst besser fühlen. Mit etwas Glück sehen sie die Angehörigen der entführten Mädchen und fühlen sich ein wenig in ihrem verzweifelten Kampf ermutigt. Das wäre schön. Allerdings hat die Nachricht der entführten Mädchen bereits drei Wochen gebraucht, um überhaupt ins Blickfeld der Öffentlichkeit zu gelangen. Die wenigsten werden wohl ihre Zeit auf Twitter etc. verbringen.

So erinnert das Ganze ein wenig an das, was Sascha Lobo beim Start der re:publica bezüglich der Netzpolitik anmerkte. Wie wenig ein Tweet bewegt. Der Norden Nigerias ist arm. Es herrscht hohe Arbeitslosigkeit. Boku Haram hat nicht solchen Zulauf dort, weil die Menschen alle glücklich sind. Ich hätte mir bei dem Tagesthemen-Bericht einen Hinweis gewünscht, was man tun könnte, um […]