Archiv für den Monat: Oktober 2013

Der hat ein Rad (ab)

Ein Typ rollert auf einem Roller mit seinen zwei ebenfalls mit Rollern bewaffneten Kindern zur Schule.
Der Typ bin ich. Gut zwei Jahre, nachdem die Roller für Erwachsene wieder out sind, habe ich einen Roller. Keinen motorisierten, sondern einen Tretroller. Zugegeben, er war ein Geschenk. Nicht selbst gekauft, aber die Schenkende kennt mich ja ziemlich gut. Hatte ich doch schon länger mit dem Gedanken geliebäugelt, mir einen zu kaufen. Nun also heute die erste Probefahrt zur Schule.
Ich ernte jede Menge Blicke. Hauptsächlich irritierte von anderen Erwachsenen. Die sagen so etwas wie, hätte der sich für die Midlife-Crisis nicht einen Porsche kaufen können? Nein, sagt dazu mein Bankkonto. Deshalb sause ich jetzt über den Bürgersteig. Das geht mit einem Porsche auch nicht.

Meine Kinder finden es großartig, dass ihr Papa jetzt einen roller hat wie sie. Mir werden fachmännische Tricks verraten. Endlich kann mal dem Papa was beigebracht werden und nicht andersherum. Die befreundeten Schulkinder werden mit einem lauten „Unser Papa hat einen Roller“ begrüßt.
Auf dem Rückweg spüre ich das Rollern in den Beinen. Es strengt mehr an, als mit dem Rad zu fahren. Der roller soll auch nicht das Rad ersetzen. Mehr das Auto. Wenn ich z. B. nach der Arbeit mal noch nach Kreuzberg reinfahren will. Man ist doch deutlich schneller als zu fuß und ich kann das Teil ohne Aufpreis mit in die S-Bahn nehmen. Zumindest ist das meine Auslegung. Diese sollte ich vielleicht vorher noch einmal überprüfen.
Bis dahin mache ich erst einmal die umliegenden Bürgersteige unsicher. Mein neuer Feind heißt jetzt Kopfsteinpflaster. Die erste Fahrt hab ich immerhin heil überstanden. Es werden weitere folgen.

Allein schon wegen der Blicke.

Meine Rezepte gegen die Schreibblockade

Kerstin Hoffmann hat die charmante Idee einer Blogparade gegen Schreibblockade ins Leben gerufen. Jeder, der versucht, geistige Ergüsse in elektronische Tinte zu gießen, dürfte das Phänomen kennen. Da ich beruflich darauf angewiesen bin, regelmäßig fertige Artikel abzulifern, habe ich einige Strategien gegen die Angst vor dem weißen Papier/Screen entwickelt.
Meine Rezepte unterscheiden sich vom Standort, wo ich mich gerade befinde.
Mein bestes Rezept lautet dazu, ein Wannenbad zu nehmen.Kaum lasse ich mich in die warmen Wogen sinken, kommen mir gute Ideen. Falls jemand ein wasserdichtes Diktiergerät empfehlen kann …?
Nun ahne ich, dass mein Antrag, Badewannen im Großraumbüro aufzustellen, auf Skepsis stoßen könnte. Dort habe ich zwei probate Mittel entwickelt. Erster Schritt ist ein Abtauchen in Musik via Kopfhörer. Dabei funktioniert für mich Musik ohne Gesang am Besten. Hilfreich ist auch ein kurzes Aufstehen, um sich einen Tee zu kochen. Die Zeit, die ich gezwungen bin, darauf zu warten, dass das Wasser im Wasserkocher die richtige Temperatur hat, ist eine ideale Zeit für Ideen. Es funktioniert allerdings nur, wenn man allein in der Teeküche ist. Die Eskalationsstufe ist ein Gang rund ums Karree.
Passend zu dem Thema möchte ich auch einen alten Beitrag von John Cleese empfehlen, in dem er erklärt, wie Kreativität entsteht und was für ihn dafür notwendig ist. Wer wäre ich, John Cleese zu widersprechen?

Ein Sternchen in Ehren kann niemand verwehren?

Amazon.de- Kundenrezensionen- Desperate Housewives - Die komplette achte Staffel  2013-10-20 11-00-58Im Guardian gab es vor Kurzem einen guten Text darüber, wie man in Großbritannien und den USA mit dem speziellen Fall von Astroturfing in Form von Bewertungsfakes umgeht. Ausgeführt wurde, dass gerade erst mehrere Unternehmen in den USA zu Geldstrafen deswegen verurteilt wurden.

Da lohnt es sich doch, sich hierzulande mal zu dem Thema umzuschauen. Ein wenig googeln genügt, um auf professionelle Angebote zu stoßen, die den Fakebewertungsjob für Unternehmen übernehmen. Gern als Teil eines „Rundum-sorglos-SEO-Paketes“. Mal davon abgesehen, dass ein solches Sorglos-Paket im Zweifelsfall der ideale Weg ist, in Googles Sandkasten zu landen, ist es doch recht interessant, dass es hierzulande weniger ein Rechtsthema zu sein scheint. Bisherige Fälle von Astroturfing werden von Menschen wie Jonny Häusler damals bei Jamba im Netz aufgedeckt und anschließend trifft die Astroturf-Institutionen der Spott der Netzgemeinde. Das mag, abhängig vom Produkt, auch mal wehtun. Generell halte ich den Schaden aber eher für gering. Sieht man sich die Bußgelder in den USA von 30.000 $ an, ist das eine Summe, die für einen großen Konzern zwar Peanuts darstellt, aber einen Kleinbetrieb wie eine Imbissbude, welche seine Bewertungen auf Qype gepimpt hat, durchaus in Schwierigkeiten bringen kann. Rechtsprechung zu dem Thema findet sich meines Erachtens in Deutschland noch nicht. Es ist aber nur eine Frage der Zeit. Rechtliche Überlegungen zu dem Thema existieren schon länger. Diskutiert werden Verstöße gegen das Wettbewerbsrecht und Schadensersatzmöglichkeiten der Bewertungsplattformbetreiber.

Zwei Problemkreise dürften in diesem Zusammenhang in naher Zukunft auftauchen. Einerseits die Sensibilisierung, dass die Abgabe von Fakebewertungen für eigene Angebote rechtlich erhebliche Konsequenzen für Unternehmen mit sich bringen […]

By |Oktober 20th, 2013|Netzkrams|0 Comments